Persönliche Gedanken zu meiner Trauer

Am Anfang meines Trauerprozesses um meinen Papa gab es praktisch keinen Abstand. Ich bemerkte ständig, wo er mir fehlt. Immer tat es unendlich weh. Immer wieder wurde ich an neue Details erinnert: durch Gegenstände, die ihm gehörten oder die er mir geschenkt hat, durch Sprüche und Erzählungen oder durch Tätigkeiten, die ich ausführte. Und immer wieder kam der Schmerz so heftig über mich, dass er mich fast zerriss.

Mit der Zeit stelle ich fest, dass eine gewisse „Linderung“ eintritt. Ich merke, dass ich seltener an ihn denke und meine Aufmerksamkeit wieder länger bei anderen Themen bleibt. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und lenke mich bewusst von Gedanken an ihn ab. Ich nehme mir absichtlich keine Zeit, um an ihn zu denken, weil ich weiss, dass mich das unendlich traurig macht. Diese Traurigkeit möchte ich nicht zulassen, auch weil ich weiss, dass er das sicher nicht gewollt hätte.

Meine grösste Angst ist, dass ich ihn vergesse. Seinen Geruch, sein Lachen, sein Wesen und wie er war. Das ist meine aller grösste Angst. Ich versuche viele Erinnerungen aufzuschreiben aber werde ich diese je wieder lesen? Es schmerzt einfach zu sehr, ihn nicht mehr hier zu haben. Ich bereue es keine Videos von ihm zu haben, gleichzeitig weiss ich, dass ich diese nicht ansehen könnte, weil es zu sehr schmerzt.

Wenn ich bewusst an meinem Papa denke, merke ich, dass nicht mehr nur schmerzhafte Gefühle da sind. Viele gute Gefühle mischen sich darunter. Ich bekomme ein immer tieferes Gespür dafür, wie viel Gutes mir mein Papa in meinem Leben mitgegeben hat: dass er immer für mich da war, mir Mut zugesprochen und an mich geglaubt hat, mich inspiriert und stolz auf mich war, mir aber auch ehrliche Kritik gegeben hat, wenn ich sie brauchte, damit ich wachsen konnte. Er war offen gegenüber allem und allen, ein Mensch, der mich tief beeindruckt und mir vieles beigebracht hat. Die gemeinsame Zeit, die Reisen, die Gespräche über alles – all das zeigt mir, wie aussergewöhnlich unsere Nähe war und wie sehr er nicht nur mein Papa, sondern auch mein Freund war.

Und ich habe erkannt, dass mein Papa auch über den Tod hinaus ein Teil meines Lebens bleibt – als Teil von mir selbst.